Natural Hoof Care
Zuerst möchte ich erwähnen, dass es im Bereich der Hufpflege und der Barhufbearbeitung viele unterschiedliche Denkschulen gibt, mit denen ich persönlich nicht in allen Punkten übereinstimme. Zudem sind Hufbearbeiter und Hufschmiede nicht alle gleich, unabhängig davon, welcher Theorie oder Methode sie folgen oder bei wem sie gelernt haben.
Außerdem geht es hier nicht um eine Debatte „Hufschmied gegen Hufpfleger“ oder „beschlagen gegen barhuf“. Ich kenne einige Hufschmiede, die hervorragende Arbeit leisten, und ebenso leider viele Barhufbearbeiter, deren Arbeit weniger überzeugend ist.
Letztendlich verfolgen wir alle dasselbe Ziel: dem Pferd zu helfen. Und ich bin überzeugt, dass jeder, der seine Arbeit ernst nimmt, weiß, dass man nie auslernt und immer wieder auf Fälle stößt, die neue Erkenntnisse und Lernchancen mit sich bringen.
Im Folgenden möchte ich meine Theorien und Methoden erläutern und erklären, warum ich sie für so entscheidend für einen gesunden Huf und ein gesundes Pferd halte.
Zuerst einige wichtige Teile des Hufs
Grundlegende Hufmechanik
Wenn man einmal den Fuß eines Elefanten aus der Nähe beim Gehen beobachtet hat, sieht man deutlich, wie er sich beim Auftreten ausdehnt und beim Abheben wieder zusammenzieht. Dasselbe gilt auch für den Pferdehuf, wenn auch weniger sichtbar, und dieser Mechanismus ist entscheidend für die Stoßdämpfung.
Beim Auffußen kommen zuerst die Trachten, der hintere Teil des Strahls sowie die Eckstreben mit dem Boden in Kontakt. Sie sind maßgeblich dafür verantwortlich, die Aufprallenergie zu absorbieren. Die Trachten bieten eine stabile Landeplattform und nehmen den ersten Stoß auf. Das elastische Hornmaterial, aus dem sie bestehen, ermöglicht Kompression und Expansion und trägt so zur Reduzierung überschüssiger Stoßenergie bei.
Der Strahl ist ein dickes, verhärtetes, lederartiges Polster, das ebenfalls eine zentrale Rolle in der Stoßdämpfung spielt. Ein großer Teil davon liegt direkt unter dem Strahlpolster, das zwischen den Seitenknorpeln aufgehängt ist. Diese Strukturen sind wesentlich an der Energiedissipation beteiligt und wirken zusätzlich als Pumpe, indem sie über ihr komplexes venöses System den Rückfluss des Blutes nach dem Aufprall wieder nach oben ins Bein unterstützen.
Die Eckstreben bilden die Verbindung zwischen dem Boden und den Seitenknorpeln, knorpeligem Gewebe an beiden Seiten des hinteren Hufbereichs. Sie bieten Widerstand beim Aufprall, tragen weiter zur Stoßabsorption bei und regulieren wie viel Stoßenergie auf das Strahlpolster übertragen wird. Die Seitenknorpel können sich unabhängig voneinander bewegen, sodass sich der hintere Hufbereich verdrehen und an unebenes Gelände anpassen kann.
Während des Schrittes verlagert sich dann mehr Gewicht auf den ganzen Huf und das natürliche Gewölbe im Bereich der Seitenwände senkt sich ab und ermöglicht durch die Ausdehnung des Hufes zusätzliche Stoßdämpfung. In diesem Moment trägt die Sohle, unterstützt von der Hufwand, den Großteil der Last, ebenso wie Strahl, Eckstreben und Trachten.
Am Ende des Schrittes verlagert sich das Gewicht nach vorne zum Abrollpunkt, dem Punkt an der Zehe, der genau in dem Moment Bodenkontakt hat, wenn die Trachten den Boden verlassen. Der Huf rollt anschließend über diesen Punkt ab, bis er vollständig vom Boden abhebt und in den nächsten Schritt übergeht.
Warum die Trachtenlandung so wichtig ist
Die oben beschriebene Darstellung ist eine vereinfachte Erklärung der grundlegendsten Hufmechanik und beschreibt, wie ein Huf einen Schritt ausführen sollte. (Im unteren Gliedmaßenbereich spielen zusätzlich komplexe Vorgänge in Sehnen und Bändern eine Rolle, auf die hier nicht näher eingegangen wird.)
Eine Landung zuerst auf den Trachten ist essenziell für eine korrekte Stoßmechanik, nicht nur im Huf selbst, sondern auch in Bändern, Sehnen und Gelenken des gesamten Beins. (Ausnahmen bilden das Bergaufgehen, bei dem eine Zehenlandung natürlich ist, sowie sehr langsames Gehen, bei dem eine flache Landung normal sein kann.)
Verschiedene Faktoren können diese natürliche Hufmechanik beeinträchtigen und langfristig gravierende Auswirkungen auf die Hufgesundheit, die unteren und oberen Gliedmaßen, den Rücken sowie auf die Lahmfreiheit und die gesamte Haltung des Pferdes haben.
Schmerzen im hinteren Hufbereich, verursacht etwa durch das Hufrollensyndrom, Strahlfäule, zu stark gekürzte Trachten oder andere Faktoren, führen häufig dazu, dass das Pferd auf der Zehe landet, um Schmerzen beim Bodenkontakt zu vermeiden. Eine Zehenlandung ist bei Hauspferden leider sehr verbreitet und wird aufgrund ihrer scheinbaren Normalität oft übersehen.
Dabei ist sie ein ernstzunehmendes Warnsignal. Sie kann zahlreiche sekundäre Probleme verursachen, darunter:
- Hufwandablösungen
- Hufrehe
- dünne Sohlen
- unterentwickelte Strukturen im hinteren Hufbereich (Strahl, Strahlpolster, Trachten, Seitenknorpel)
- Hufrollensyndrom
- Umbauprozesse am Hufbein
- Sehnen- und Bänderverletzungen
- Muskelverspannungen
Paradoxerweise verschlimmert die Zehenlandung genau jene Schwäche im hinteren Hufbereich, die sie ursprünglich verursacht hat. Diese Strukturen werden nicht ausreichend stimuliert, ähnlich wie Muskeln in einem eingegipsten Arm abbauen, wenn sie nicht benutzt werden. Die einzige Möglichkeit, sie zu stärken, besteht darin, sie wieder gezielt und kontrolliert in Nutzung zu bringen. Dasselbe gilt für die Strukturen im hinteren Bereich des Pferdehufs. Eine komfortable Trachtenlandung ist daher von größter Bedeutung, damit Huf und gesamtes Bein korrekt funktionieren können. Solange sie nicht erreicht ist, ist es nahezu unmöglich, einen dauerhaft starken, gesunden und belastbaren Huf aufzubauen.
Manchmal lässt sich eine Zehenlandung bereits durch die Behandlung einer Strahlfäule korrigieren. In anderen Fällen kann es sinnvoll sein, die Trachten zunächst etwas höher zu lassen als es einer „natürlichen“ Trachtenhöhe entspricht, um die empfindlichen inneren Strukturen im hinteren Hufbereich zu entlasten und gleichzeitig gezielt, aber moderat, zu stimulieren. Ziel ist es, Strahlpolster und Seitenknorpel schrittweise zu stärken, bis sie langfristig einer natürlicheren Trachtenhöhe standhalten können.
In der Barhufbearbeitung wird häufig großer Wert auf niedrige Trachten und eine „wildpferdetypische“ Trachtenhöhe gelegt. Letztlich ist jedoch die Trachtenlandung der entscheidende Faktor für einen gesunden, lahmfreien Huf. Wenn es dafür notwendig ist, die Trachten vorübergehend etwas höher zu lassen, ist dies deutlich sinnvoller, als eine zu niedrige Trachtenhöhe auf Kosten der Funktion zu erzwingen.
Mit anderen Worten, eine Zehenlandung ist wesentlich problematischer als kurzfristig leicht erhöhte Trachten.
Weitere Faktoren, die die Hufmechanik beeinträchtigen
Überhöhte Trachten
Auch wenn die Trachtenlandung wichtiger ist als die absolute Trachtenhöhe, stellen überhöhte Trachten ein häufiges und ernstzunehmendes Problem dar.
Eine stark erhöhte Trachtenhöhe verlagert das Gewicht des Pferdes nach vorne auf die Zehe, vergleichbar mit dem Tragen von hochhackigen Schuhen, bei denen das meiste Gewicht auf dem Vorfuß lastet. Selbst bei einer Trachtenlandung kippt das Gewicht nach vorne und eine vollständig korrekte Trachtenlandung wird zunehmend erschwert. Oft resultiert daraus nur eine flache Landung.
Überhöhte Trachten führen dazu, dass das Hufbein vorne nach unten rotiert. Die Spitze des Hufbeins drückt bei jedem Schritt verstärkt gegen die Sohle. Langfristig kann dies dazu führen, dass sich die Hufbeinspitze abnutzt oder sich in eine sogenannte „Skitip“-Form umgestaltet.
Dies kann auch infolge einer Hufrehe auftreten, die häufig mit erhöhten Trachten einhergeht. Darauf werde ich später noch eingehen.
Dieser Huf zeigt übermäßig hohe Trachten. Durch das Anheben des hinteren Hufbereichs liegt das Hufbein (in rot) in einem unnatürlichen Winkel, wodurch seine Spitze nach unten in Richtung Sohle gedrückt wird.
Dieser Huf zeigt eine viel natürlichere Trachtenhöhe. Beachten Sie den Unterschied im Winkel der Kronrandlinie bei diesem Huf. Ebenso befindet sich das Hufbein (in grün) in einer deutlich natürlicheren, funktionell günstigeren Position innerhalb der Hufkapsel.
Offensichtlich führen stark überhöhte Trachten zu denselben Problemen wie eine Zehenlandung. Daher ist es äußerst wichtig, die richtige Balance zu finden zwischen zu hohen Trachten und solchen, die gerade hoch genug sind, damit das Pferd den hinteren Hufbereich komfortabel nutzen kann.
Diese feine Grenze ist bei jedem Pferd unterschiedlich und hängt zusätzlich stark vom jeweiligen Untergrund ab, auf dem das Pferd überwiegend lebt und arbeitet.
Mehr zum Abrollpunkt
Wie bereits erwähnt, ist der Abrollpunkt der am weitesten vorne gelegene Punkt der Zehe, der genau in dem Moment Bodenkontakt hat, wenn die Trachten den Boden verlassen.
In einem gesunden Huf liegt dieser Punkt etwa 6–7 mm vor dem Sohlenwulst, dem dicken tragfähigen Hornbereich an der Zehe, der direkt unter dem Hufbein liegt und eine starke Schutzschicht bildet.
Die korrekte Position des Abrollpunktes ist entscheidend für einen flüssigen, natürlichen Bewegungsablauf. Wandert er zu weit nach vorne, verzögert sich das Abrollen, sodass der Huf länger am Boden bleibt, bevor er sich für den nächsten Schritt lösen kann.
Um dennoch rechtzeitig für den nächsten Schritt aufzusetzen, muss das Pferd seine Schrittlänge verkürzen. Häufig resultiert daraus eine flache oder sogar eine Zehenlandung, da eine Trachtenlandung mehr Zeit benötigt, Zeit, die verfügbar wäre, wenn der Huf früher abrollen könnte.
Deshalb ist es essenziell, den Abrollpunkt korrekt zu erhalten, selbst wenn Hufwandablösungen vorliegen. Nur so kann eine gesunde Trachtenlandung gefördert und die natürliche Schrittlänge erhalten werden.
Hufeisen
Hufeisen wurden ursprünglich für Pferde entwickelt, die täglich auf gepflasterten Straßen arbeiteten, um ihre Hufe zu schützen. Über viele Jahrhunderte erfüllten sie diesen Zweck sehr gut und waren unverzichtbar.
Wie bei vielen vom Menschen entwickelten Hilfsmitteln hat sich auch der Hufbeschlag weiterentwickelt. Heute gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien (Eisen, Aluminium, Kunststoff, Gummi, Mischformen) sowie diverse Hufschutzsysteme wie Hufschuhe oder Gipsverbände, alle mit individuellen Vor- und Nachteilen.
Ich arbeite bevorzugt mit Hufschuhen (und bei Bedarf mit Gipsen).
Warum ich insbesondere Metalleisen für problematisch halte
Der Huf ist von Natur aus darauf ausgelegt, sich beim Auffußen auszudehnen und beim Abheben wieder zusammenzuziehen. Diese Bewegung ermöglicht es dem Strahlpolster, den Seitenknorpeln und weiteren Strukturen, einen Großteil der Aufprallenergie zu absorbieren.
Wird jedoch ein Metalleisen unter dem Huf befestigt, wird der Huf im Wesentlichen zu einer starren Konstruktion. Seine Fähigkeit zur Expansion, zur Verdrehung in Wendungen und zur Anpassung an unebenes Gelände wird eingeschränkt. Gleichzeitig verstärkt Metall den Aufprall.
Kann der hintere Hufbereich die Energie nicht wie vorgesehen absorbieren, wird sie weiter nach oben ins Bein geleitet. Ich bin überzeugt, dass dies ein mitverantwortlicher Faktor für Gelenkprobleme bei Hochleistungspferden sein kann.
Zusätzlich wird durch die eingeschränkte Expansion die natürliche Druck- und Entlastungsbewegung reduziert, ein Mechanismus, der für die Durchblutung im unteren Gliedmaßenbereich essenziell ist.
Hinzu kommt, dass durch ein Hufeisen der Strahl meist vom Boden abgehoben wird und er dadurch seine stoßdämpfende Funktion nicht vollständig erfüllen kann.
Periphere Belastung
Ein weiterer zentraler Punkt ist die sogenannte periphere Belastung. Die Hufwand ist nicht dafür gemacht, das gesamte Gewicht des Pferdes alleine zu tragen. Ihre Hauptfunktion ist der Schutz der inneren Strukturen sowie die Unterstützung von Sohle, Strahl, Eckstreben und Trachten in ihrer tragenden Funktion. Wird ein Hufeisen am äußeren Rand angebracht, wird primär die Hufwand belastet, während die übrigen Strukturen vom Boden abgehoben werden. Diese Belastung ist langfristig nicht nachhaltig und führt häufig zu Hufwandablösungen, da die Lamellenverbindung zwischen Hufwand und Hufbein unter dauerhafter Spannung nachgibt.
Die Notwendigkeit von Hufschutz
Auch wenn unser Ziel ein gesunder, natürlicher Barhuf ist, passt sich ein Huf immer nur an die Bedingungen an, denen er überwiegend ausgesetzt ist.
Ein Pferd, das hauptsächlich auf weichen Weiden und/oder Sand steht, wird nicht automatisch trittsicher auf steinigem Bergterrain, unabhängig davon, wie gut der Huf bearbeitet ist.
Daher bleibt Hufschutz in vielen Situationen essenziell, sofern man nicht bereit oder in der Lage ist, das entsprechende Terrain im Lebensraum des Pferdes nachzubilden.
Ich bevorzuge Hufschuhe (oft in Kombination mit Pads) und bei Bedarf Gipsverbände, da sie die natürliche Funktion des Hufs weitgehend erhalten. Gleichzeitig bieten sie hervorragende Möglichkeiten zur Rehabilitation.
Bearbeitung
Es gibt kein „ein Standard für Alle“ in der Hufbearbeitung. Jeder Huf, jedes Pferd und jede Haltungsform ist unterschiedlich. Dennoch gibt es einige grundlegende Punkte zur Hufbearbeitung, auf die ich kurz eingehen möchte.
Mustang Roll
Eines der wichtigsten Merkmale einer guten Barhufbearbeitung ist die sogenannte Mustang Roll, eine Abrundung der äußeren Hufwandkante.
Wildpferde entwickeln diese Abrundung durch tägliche Bewegung über 20–30 km auf unebenem, steinigem Untergrund. Diese natürliche Abnutzung entspricht dem Hufwachstum und erhält die ideale Hufwandlänge.
Hauspferde bewegen sich deutlich weniger und meist auf weichem Boden. Dadurch überwächst die Hufwand und muss regelmäßig bearbeitet werden.
Die Mustang Roll verändert die Kräfteverhältnisse beim Abrollen grundlegend:
Ohne Abrundung wirkt eine Zugkraft auf die Hufwand, die sie vom Hufbein wegzieht.
Mit Abrundung entsteht eine Kompressionskraft, die die Hufwand nach innen zum Knochen hin stabilisiert.
Eine einfache Analogie, um die Funktion des Mustang Rolls zu erklären, ist folgende:
Stellen Sie sich vor, Sie halten einen hölzernen Besenstiel in der Hand. Sie sägen das Ende gerade ab und stoßen dieses Ende anschließend wiederholt in den Boden. Mit der Zeit, oft sogar recht schnell, beginnen die scharfen Kanten der Schnittfläche auszubrechen, aufzusplittern oder sogar abzuschlagen.
Wenn Sie dagegen denselben Besenstiel nach dem Absägen an den Kanten abrunden und so ein glattes, rundes Ende formen, wird sich dieses Ende bei wiederholtem Aufstoßen auf den Boden gleichmäßig abnutzen. Die Form bleibt rund, ohne dass die Kanten aufspreizen oder reißen.
Ähnlich verhält es sich mit der Hufwand.
Dies ist entscheidend für eine gesunde Wandverbindung und besonders wichtig in der Reha von Rehepferden.
Sohle und Strahl
Eine gesunde, tragfähige Sohle ist dick, gut verhornt und weist eine natürliche Konkavität (Wölbung) auf. Diese Konkavität darf niemals in die Sohle hineingeschnitten werden, sie muss heranwachsen. Abwesenheit von Konkavität weist auf eine Sohle, die schon zu dünn ist, sodass die Entfernung weiteren Materials das Problem nur verschlimmert.
In den meisten Fällen sollte die Sohle vollständig in Ruhe gelassen werden.
Auch der Strahl sollte dick, breit und gut verhornt sein. Ein dünner Strahl weist meist auf mangelnde Nutzung oder eine Infektion hin.
Trachten
Die Trachtenhöhe ist essenziell und darf weder zu hoch noch zu niedrig sein. Sie muss individuell so angepasst werden, dass das Pferd den hinteren Hufbereich funktionell nutzen kann, ohne sein Gewicht nach vorne auf die Zehe zu verlagern oder eine Zehenlandung zu verursachen.
Die richtige Trachtenhöhe ist möglicherweise einer der am schwersten zu beurteilenden Aspekte der Hufbearbeitung, zugleich jedoch von entscheidender Bedeutung für einen gesunden Huf und ein insgesamt lahmfreies Pferd.
Die mediolaterale Balance der Trachten, unabhängig von Höhe, ist jedoch immer wichtig.
Eckstreben
Die Eckstreben passen sich ständig dem Untergrund an. Sie stellen die Verbindung zwischen Boden und Seitenknorpeln dar und sollten nicht unnötig gekürzt werden, sondern funktionell begleitet werden.
Regelmäßigkeit
Ein regelmäßiger Bearbeitungsrhythmus ist unerlässlich.
Ideal sind vier Wochen, realistisch meist fünf Wochen wenn keine große Reha entsteht.
Längere Intervalle führen häufig dazu, dass man lediglich „hinterherarbeitet“, statt die Hufgesundheit nachhaltig zu verbessern.
Insbesondere für das gesunde Herauswachsen der Hufwand ist Regelmäßigkeit entscheidend.
Hufrehe
Hufrehe bezeichnet die Entzündung der Lamellen, jener verzahnungsartigen Struktur, die Hufwand und Hufbein verbindet. Unbehandelt oder chronisch führt dies zur Ablösung der Hufwand vom Hufbein auf Grund der geschwächten oder beschädigten Lamellen. Dies kann durch Rehe oder auch durch chronisch fehlerhafte Hufmechanik entstehen.
Die häufig beschriebene „Rotation“ oder „Senkung“ betrifft streng genommen nicht das Hufbein selbst, genau genommen verschiebt sich die Hufkapsel um das Hufbein herum.
Querschnitt eines rehegeschädigten Hufes. Die Hufwand hat sich vom Hufbein gelöst, vom Kronrand bis hinunter zum Boden. Beachten Sie den sogenannten „Lamellenkeil“ (eine vom Pferd gebildete Keratinsubstanz, die den durch die Ablösung entstandenen Spalt ausfüllt), die dünne Sohle direkt unterhalb des Hufbeins sowie den steilen Winkel des Hufbeins infolge der hohen Trachten.
Achten Sie außerdem darauf, dass der Strahl aufgrund der hohen Trachten nur wenig Bodenkontakt erhält.
Querschnitt eines gesunden Hufes zum Vergleich. Beachten Sie die enge Verbindung der Hufwand mit dem Hufbein, die dicke Sohle unter dem Hufbein, die niedrigere Trachtenhöhe und das deutlich ausgeprägtere Strahpolster (der beige Bereich oberhalb von Strahl und Trachten), bedingt durch angemessenen Strahldruck und die richtige Nutzung des hinteren Hufbereichs. Die natürliche Trachtenhöhe erlaubt es dem Hufbein zudem, in einem natürlicheren Winkel zu liegen.
Ich habe ungefähr eingezeichnet, wo sich das Mustang Roll (roter Bogen) befinden sollte. Beachten Sie, wie die derzeitige Hufbearbeitung eine Ablösungskraft auf die Hufwand erzeugen würde, wenn der Huf den Abrollpunkt erreicht, wie oben erläutert, und wie das Mustang Roll stattdessen eine Kompressionskraft erzeugen würde.
Dies ist derselbe Rehe-Huf wie oben. Hier kann man die hohen Trachten deutlich erkennen. Beachten Sie die Wellen in der Hufwand, die auf eine Stoffwechselstörung infolge einer Kohlenhydrat-Überversorgung in der Fütterung hinweisen (siehe unten).
Dies ist derselbe gesunde Huf wie oben, der die natürlichere Trachtenhöhe zeigt. Obwohl die gesamte Hufkapsel kürzer ist als beim gegenüberliegenden Huf, ist die Sohle deutlich dicker und das digitale Polster wesentlich stärker entwickelt (wie oben dargestellt).
Leider ist Hufrehe bei Hauspferden sehr verbreitet, bedingt durch falsche Fütterung, unzureichende Bewegung und ehrlich gesagt auch durch mangelhafte oder fehlende fachgerechte Hufbearbeitung bzw. Beschlag.
Meiner Erfahrung nach weisen die meisten Hauspferde zumindest in gewissem Ausmaß rehetypische Veränderungen auf. Unbehandelt verbessert sich das Problem jedoch nicht, sondern verschlechtert sich mit der Zeit.
Traditionell wurde Rehe, und wird in manchen Kreisen noch immer, als „unheilbare Krankheit“ betrachtet, insbesondere wenn bereits eine sogenannte Rotation oder Absenkung eingetreten ist. In diesem Zustand sind Pferde meist deutlich lahm und zeigen häufig die typische Rehestellung: die Vorderbeine nach vorne gestreckt, das Gewicht nach hinten auf die Trachten verlagert und kaum Bewegungsbereitschaft.
Viele dieser Pferde liegen vermehrt, da das Tragen des Körpergewichts zu schmerzhaft ist. In extremen, unbehandelten Fällen kann das Hufbein schließlich durch die Sohle nach unten durchschauen.
In den meisten Fällen jedoch ist dieser Zustand reversibel, aber schnellsmögliche Behandlung ist grundlegend. Nur wenn der Schaden bereits nach jahrelanger chronischer Un- oder Fehlbehandlung zu weit fortgeschritten ist, kann der lange und schmerzhafte Rehabilitationsprozess unter Umständen nicht mehr gerechtfertigt sein.
Ich spreche ungern von einer „Krankheit“, da ich überzeugt bin, dass Hufrehe in den allermeisten Fällen durch unnatürliche Haltungs- und Managementbedingungen verursacht werden, also durch Faktoren, die dem Pferd einfach nicht gerecht werden. Die gute Nachricht ist daher: Rehe ist nicht nur häufig umkehrbar, sondern vor allem vermeidbar.
Schmerz wird oft verborgen
Pferde sind äußerst widerstandsfähige Tiere und haben sich evolutionär so entwickelt, dass sie Schmerzen möglichst verbergen, um nicht als leichte Beute erkannt zu werden.
Nur weil ein Pferd nicht offensichtlich lahmt, bedeutet das nicht, dass es keine Schmerzen hat. Jede Form von Hufwandablösung ist schmerzhaft. (Man stelle sich vor, man würde seinen Fingernagel so lange vom Finger wegziehen, bis er sich schließlich löst.)
Bei akuter Rehe zeigen Pferde meist deutliche Lahmheit. Bei chronischer Rehe hingegen bleiben die Symptome oft lange unauffällig, bis das Problem bereits erheblich fortgeschritten ist.
Daher ist es entscheidend, bereits die frühesten Anzeichen ernst zu nehmen und Fütterung, Haltung und Hufbearbeitung entsprechend anzupassen.
Sogar Wellen oder Ringe in der Hufwand, ein sicheres Zeichen für Stoffwechselstörungen und häufig ein Vorbote von Rehe, sollten als Warnsignal verstanden werden, dass in der Fütterung etwas verändert werden muss.
Ernährung
Pferde haben sich evolutionär perfekt an eine Ernährung aus Steppen- und Präriegräsern, Kräutern und Sträuchern angepasst, also an Pflanzen, wie sie in typischen Wildpferdregionen vorkommen.
Auf einer solchen kargen, faserreichen Nahrung gedeihen sie optimal, selbst unter den physischen Anforderungen, täglich 20–30 km auf der Suche nach Futter und Wasser zurückzulegen.
Wildpferdegebiet im zentralen Washington.
Hartes, steiniges Gelände mit spärlichen Sträuchern und Gräsern ist der Lebensraum, auf dem Wildpferdeherden im zentralen Washington besonders gut gedeihen.
Hauspferde bekommen nicht nur zu wenig Bewegung, sondern leben oft von einer Ernährung, die sich stark von derjenigen unterscheidet, an die sie evolutionär angepasst sind.
Mit der Entwicklung der Milchwirtschaft wurden Gräser gezielt auf einen höheren Zuckergehalt gezüchtet, um die Milchleistung von Kühen zu steigern. Diese Gräser enthalten deutlich höhere Mengen an nicht-strukturellen Kohlenhydraten (NSC), also Zucker und Stärke, als die Vegetation, die in natürlichen Lebensräumen von Wildpferden vorkommt. Gleichzeitig haben viele Hauspferde unbegrenzten Zugang zu diesem energiereichen Futter (als frische Weide oder Heu), ohne dafür Bewegung leisten zu müssen.
Wichtig zu wissen: Hufrehe wird nicht direkt durch Übergewicht verursacht. Vielmehr hängt es von der Fähigkeit des Pferdes ab, NCS zu verstoffwechseln, und von den Insulinspiegeln im Blut, die das Zusammenbrechen der Lamellen im Huf auslösen. Auch schlanke Pferde können an akuten oder chronischen Rehe-Episoden leiden. Allerdings führen überschüssige NSC, wenn sie nicht durch ausreichende Bewegung ausgeglichen werden, auch häufig zu Übergewicht.
NSC-Spitzen in der Weide
Der NSC-Gehalt ist:
- am höchsten am späten Nachmittag und Abend, nach der Photosynthese
- am niedrigsten in den frühen Morgenstunden, nachdem die Pflanze die Zuckerreserven zur Nacht genutzt hat.
Wenn jedoch die Nachttemperaturen unter etwa 5 °C fallen, wächst das Gras nachts kaum, sodass der tagsüber gebildete Zucker nicht verbraucht wird und sich weiter anreichert. Deshalb sind Frühling und Herbst besonders risikoreich für rehegefährdete Pferde.
Gefährdete Tiere sollten daher in diesen Zeiten möglichst keinen Weidegang erhalten und nur in den frühen Morgenstunden auf die Weide kommen. Manche Pferde können aufgrund ihres Stoffwechsels grundsätzlich nicht auf Weide leben, ohne Probleme mit NSC zu entwickeln.
Heu als Alternative
Für rehegefährdete Pferde oder bei eingeschränktem Weidezugang ist Heu die beste Alternative. Heu kann auf seinen NSC-Gehalt analysiert und bei Bedarf in Wasser eingeweicht werden, um Zucker auszuspülen.
- Idealerweise sollte Heu einen NSC-Wert von ≤ 10 % haben.
- Bei übergewichtigen Pferden kann eine reduzierte Futtermenge oft ausreichend sein.
- Pferde sollten jedoch niemals mehrere Stunden ohne Raufutter bleiben, da ihre Verdauung kontinuierliche Futteraufnahme benötigt.
- Empfehlenswert sind Slow Feeder Heunetze oder Heuraufen, die die Aufnahme verlangsamen und kontinuierliche Fütterung ermöglichen.
Kraftfutter und Faserquellen
Für die meisten Pferde, die nicht intensiv trainiert werden, reichen Heu und, wenn verträglich, Weide aus.
Getreide wie Hafer oder Gerste ist oft schwer verdaulich, extrem NSC-reich (bis zu 80%) und kann bei empfindlichen Pferden zu Hufrehe führen. Trotz hoher Futtermenge kann das Pferd Energie daraus nicht effektiv nutzen.
Empfehlung: Getreide meiden und stattdessen auf faserreiche, NSC-arme Alternativen setzen, wie:
- eingeweichte Rübenschnitzel
- spezielles NSC-armes Pferdefutter für rehe- oder EMS-gefährdete Tiere
Rübenschnitzel liefern verwertbare Energie aus Faser, genau wie natürliche Gräser, und sind daher ideal für Pferde, die mehr Energie benötigen als durch Heu allein.
Lebensmittel wie Melasse, Zuckerwürfel, Brot, Kuchen, Kekse, Karotten oder Äpfel sind für rehegefährdete Pferde ungeeignet. Gelegentliche Karotten sind für gesunde Pferde unproblematisch, aber für regelmäßige Belohnungen sind Luzernepellets oder NSC-arme Leckerlis besser geeignet.
Luzerneheu ist oft zu energiereich und proteinreich für Freizeitpferde, kann aber für Sport- oder Leistungsfohlen sinnvoll sein – immer sparsam und langsam eingewöhnt.
Mineralstoffe – essenziell für Hufgesundheit
Kupfer und Zink sind entscheidend für gesundes Hufwachstum. In vielen Regionen der Welt fehlen diese Mineralstoffe im Boden und damit auch im Heu. Gleichzeitig ist Eisen oft im Übermaß vorhanden, was Hufprobleme verschärfen kann.
Die Aufnahme von Mineralstoffen hängt stark von dem richtigen Verhältnis ab. Ein „Komplett-Mineralfutter“ erhöht die unausgeglichenen Mengen, gleicht jedoch die Verhältnisse nicht aus. Wichtig ist:
- Kupfer und Zink gezielt ergänzen, ohne zusätzliches Eisen zuzuführen.
- Regional kann es auch an anderen Mineralien mangeln, oft Mangan und Selen.
Die optimale Lösung ist eine Heuanalyse mit individuell abgestimmter Mineralmischung. Im Alltag kann als pragmatische Lösung eine gezielte Kupfer- und Zinkgabe erfolgen. Ein bewährtes Produkt ist „Farriers Formular Double Concentrate“, online bestellbar.
Haltung und Management
Wildpferde legen auf rauem, felsigem Gelände täglich etwa 20–30 km zurück. Ihr gesamter Körper, vom Verdauungssystem bis hin zu den Hufen, ist darauf ausgelegt, diese Bewegungsmenge zu bewältigen. Hauspferde erreichen diese Distanz hingegen kaum, da unser Management sie stark einschränkt. Leider bringen unsere typischen Haltungsarten noch weitere Probleme mit sich, weit über den Bewegungsmangel hinaus.
Oft halten wir Pferde entweder auf weichen Weiden mit zu viel Futter für das durchschnittliche Pferd oder in winzigen Boxen oder Paddocks, was ihre Bewegungsmöglichkeiten zusätzlich einschränkt und sie dazu zwingt, im eigenen Mist zu stehen. Neben dem Mangel an Bewegung begünstigen nasse matschige Bedingungen, in denen sie stehen, Bakterien und Pilze, die mit der Zeit den Huf abbauen. Der Huf wird dadurch weich und feucht und kann das 500 kg schwere Tier nicht mehr richtig tragen, was scheinbar oft den Einsatz von Hufeisen notwendig macht, da der Huf seine natürliche Funktion in dieser Umgebung nicht erfüllen kann.
Um gesunde Hufe wachsen und sich erhalten zu lassen, muss man also nicht nur auf die Hufpflege und Ernährung achten, sondern auch auf die Umgebung, in der das Pferd lebt.
Naturnahe Bewegung simulieren
Es gibt einige Möglichkeiten, die natürliche Umgebung des Pferdes zu simulieren, ohne viel Platz zu benötigen:
Paddock-Trail-System (Laufstall/Paddock Paradise)
- Ein umzäunter Ring oder Rundkurs am Rand des Paddocks oder der Wiese, auf dem die Pferde wohnen und von sich aus immer in Bewegung bleiben.
- Das Futter kann entlang der Strecke verteilt werden, um die Bewegung zusätzlich zu fördern.
- Steinige oder felsige Bereiche können eingebaut werden, um die Hufgesundheit zu verbessern, wobei immer Wege für empfindlichere Pferde freigehalten werden sollten.
- Pferde in solchen Systemen zeigen oft bessere Hufgesundheit, mehr Fitness, ein gesünderes Körpergewicht und insgesamt mehr Wohlbefinden.
Kiesbereiche
- Eine Fläche aus Kieselsteinen ist überall vorteilhaft – in Paddocks oder Trail-Systemen.
- Pferde stehen oft gerne auf Kies, auch solche mit Hufpathologien, die andere Untergründe unangenehm finden.
- Dies unterstützt die Rehabilitation problematischer Hufe und fördert eine gesunde Sohlenkonkavität.
Über die Struktur und Funktion des Hufs, die Hufgesundheit und ihren Einfluss auf die allgemeine Gesundheit des Pferdes ließe sich noch sehr viel mehr sagen. Ebenso gibt es zahlreiche Hufprobleme und Pathologien sowie einige seltenere Erkrankungen, die Beachtung verdienen. Um jedoch einen verständlichen Überblick zu geben, beschränke ich mich hier auf die Grundlagen für alle, die an meinen Dienstleistungen interessiert sind.
In den persönlichen Beratungsgesprächen mit meinen Kunden gehe ich selbstverständlich wesentlich detaillierter auf diese Themen ein. Dabei bespreche ich alle auftretenden Probleme oder Zustände Ihres Pferdes und entwickle gemeinsam mit Ihnen bzw. auch mit Ihrem Tierarzt geeignete Lösungen.
Wenn Sie Fragen haben oder eine ausführlichere Erklärung wünschen, stehe ich gerne für einen Termin zur Verfügung. In diesem können wir sowohl theoretische Aspekte durchgehen als auch den Zustand Ihres Pferdes beurteilen und einen individuellen Behandlungsplan erstellen, bevor praktische Arbeiten durchgeführt werden.